Denke ich an Újvidék, so muß ich oft an das Triest von Magris denken.

Die Geschichte Újvidéks beginnt mit einer schönen Metamorphose. „Nominentur Neoplanta“, nennen wir es fortan Neoplanta. Diese beiden lateinischen Worte schreibt Maria Theresia am 1. Februar 1748 als Antwort auf die schriftliche Petition der Bürger von Újvidék, in der sie die Kaiserin der Österreich-Ungarischen-Monarchie ersuchen, der Siedlung „Wall von Pétervárad“, wie sie bis dahin hieß, den Titel einer freien königlichen Stadt zu verleihen. Damit einher geht auch die Erfüllung des kosmopolitischen Wunsches, wonach jede in Neoplanta ansässige Nation den Namen des Ortes aus der lateinischen Wendung in ihre eigene Sprache übertragen könne. Das geschah vor zweihundertsechzig Jahren. Die serbischen, ungarischen und deutschen Bewohner der Stadt ließen im Sinne der kaiserlichen Direktive den Stadtnamen nach Neoplanta eintragen: Novi Sad, Újvidék, Neusatz. Soviel zur Vorgeschichte.

Doch was ist nach etwas mehr als zweieinhalb Jahrhunderten aus ihr geworden?

Wie erlebt der Fremde, der sich hierher verirrt, Újvidék? Eine pittoreske Kleinstadt, so der Besucher, wenn er die älteste Straße der Stadt, die Donaustraße entlang spaziert. Pannonische Idylle, viel Exotik, entfährt es der eleganten Dame von Welt, die auf ihrer Durchreise die Eingeborenen mit einem Besuch beehrt. Veredelte Barbarei, bemerkt beiläufig der Gentleman vor seiner Abreise nach dem kurzen Aufenthalt. Dies hier könnte Mitteleuropa sein, befindet wehmütig der entwurzelte Träumer. Das ist Nordbalkan, äußert sich der mit den Realitäten vertraute grobgliedrige Mann knapp und resolut. Ein ziemlich unglücklicher Ort, mit einem Ausblick auf die vier Himmelsrichtungen Europas, doch die Sicht verliert sich im Nebel, sinniert einer, der schon längere Zeit in dieser Stadt weilt und so die Gelegenheit hat, mehrmals täglich auf dem Kopfsteinpflaster der Donaustraße hinauf und hinunterzugehen, den unsicheren Blick der Passanten zu erhaschen und für alle Zeiten aller Nostalgie überdrüssig zu werden.

Manchmal überkommt mich das Gefühl, ich würde die Donaustraße niemals verlassen, würde für immer hier bleiben, trippele auf der Stelle, notgedrungen, wie ein zurückgelassener Posten, der die Parole vergessen hat und nicht weiß, was tun. Er weiß nicht, warum er Wache schiebt, was er hüten sollte, denn es ist ihm voll bewusst, dass er einer sinnlosen Tätigkeit nachgeht. Irgendwie bleibt er aber doch – wohin sollte er auch gehen? -, dabei ist er nicht einmal vom weihevollen Lokalpatriotismus geleitet, seine aussichtlose Anhänglichkeit bestärkt ihn doch nur im Gefühl der Heimatlosigkeit. Ich stehe inmitten der Donaustraße, wie auf der hohen Warte. Eine Wache, von niemandem gebraucht. Ich lausche, warte ab. In Wirklichkeit bin ich staatenlos, zusammen mit vielen anderen wachsam in der nutzlosen, der Dinge harrenden Warterei. Ich tröste mich mit Márai: „Der Heimatlose kennt plötzlich die ganze Welt, sie ist ihm vertraut…“ So wurde ich zum Kentaur-Kosmopoliten.

Ich blättere in einem vor einiger Zeit auf Italienisch erschienen Band von mir, lauter frühere Bekenntnisse zu Újvidék, ich ringe seit langem mit ihnen.

Und ich frage mich, warum aus Újvidék, diesem Grenzort zwischen dem Balkan und Mitteleuropa, nicht Triest geworden ist?

Einst besaß Újvidék die besten Voraussetzungen, zu einem Triest zu werden, trifft doch hier die Kultur des Balkans auf die mitteleuropäische, so wie in Triest die mitteleuropäische Kultur mit der mediterranen verschmilzt. Solche Verflechtungen fördern gewiss auch Konflikte zutage, fordern aber umso mehr zu Kreativität, zu fruchtbaren Prozessen heraus. Kulturelle Größe liegt nicht in der Unterdrückung von Konflikten und Unterschieden, sondern in deren schöpferischem Überflügeln. Wie es die exzellente Triest-Monographie von Angelo Ara und Claudio Magris beschreibt, wurde Triest dank solcher Konvergenz zu einer kosmopolitischen Stadt, die in ihrer Sensibilität für kulturellen Pluralismus die italienische Kultur mit einer neuen Dimension bereichert, nämlich mit der mitteleuropäischen.

Ohne diesen Weg wäre Triest provinziell geblieben, wie es in einigen Phasen seiner Geschichte wohl auch gewesen ist, ohne besonderen Charakter und ohne besondere Bedeutung, Provinz von Rom und anderen Großstädten, ein Ort, der zweitrangige, lediglich lokalen Interessen dienende Werke hervorbringt. Triest wäre lediglich eine Grenzstadt, versunken in dörfliche Idylle, wenn es seine Möglichkeiten nicht erschlossen und seinen Vorteil, kraft seiner geographischen Lage Teil eines anderen Randgebietes zu sein, nicht genutzt hätte.

Seine Chance, an der Grenze zwischen den Gebieten verschiedener Kulturen zu liegen, was oft wichtiger ist als Staatsgrenzen, erkannte Triest zur rechten Zeit. Mit wohlüberlegter, gezielter Entschlossenheit verhalf es sich als Randregion am Schnittpunkt zweier Kulturen zur Bedeutung, indem es seine eigenständige kosmopolitische Kultur hervorbrachte, deren eigenwilliges, spezifisches Gepräge ein ganz besonderes Merkmal innerhalb der italienischen Kultur setzt. Die Region von Triest bildet jenen durchlässigen Filter, durch den – wie es Angelo Ara und Claudio Magris in ihrem Buch beispielhaft verdeutlichen – in die italienische Kultur die deutsch-jüdisch-slawische Kultur Einzug gehalten hat, und damit auch das ganze literarisch-künstlerische Stigma, die ganze Lebenswelt Mitteleuropas. Was für einzigartige Werke dadurch im europäischen Vergleich entstanden sind und immer wieder neu entstehen, beweisen zum Beispiel die Werke von Italo Svevo oder Claudio Magris.

Als mittelosteuropäischer Grenzort oder anders ausgedrückt: als europäische Limes-Stadt führt auch Újvidék eine Doppelexistenz an der Peripherie, indem es für die Randgebiete eine überdeckende Funktion besitzt. Seine Geschichte war von ethnischer Vielfarbigkeit geprägt, da es quasi von Geburt an eine ähnliche Stellung hatte wie Triest. Die Stadt liegt an wichtigen Verkehrswegen, zudem sorgt die Donau für die natürliche Verbindung des Ostens Europas mit dem Westen. Als eine Art Nord-Süd Strecke kreuzen diesen geographisch wichtigen Punkt zudem die den Balkan mit Mitteleuropa verbindenden Wirtschaftwege auf dem Festland. Insofern war es nur recht und billig, dass Újvidék im Augenblick seiner Entstehung – 1748 – neben dem damaligen in Europa üblichen Latein noch weitere drei Bezeichnungen erhielt. Namen sind symbolischer Wegweiser, sie zeigen die geistige Aufgabe des Benannten an, ein Phänomen, für das Újvidék, wo Serben, Deutsche, Ungarn, Juden, Kroaten, Slowaken, Rumänen, Ruthenen und viele andere ansässig und schöpferisch tätig waren, seinerzeit als besonders geeignet erscheinen musste.

Die Bücher über die Geschichte dieser die Zeichen des Bürgertums in sich tragenden Stadt berichten buchstabengetreu, daß die zu den Glanzzeiten der Österreich-Ungarischen Monarchie in Budapest gegründete Matica srpska, eine Art Wissenschaftsakademie Serbiens, und lange Zeit die wichtigste Institution der serbischen Kultur, erst hier ihre wesentliche Entwicklungsphase erlebte. Auch das erste Serbische Nationaltheater wurde in Újvidék zu jener Zeit gegründet. Auch darf man nicht die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im ehemaligen Jugoslawien gegründete Zeitschrift Új Symposion vergessen, die in den sechziger und siebziger Jahren mit ihren stark innovativen Impulsen für jene Veränderungen in der gesamten ungarischen Kultur plädierte und sie weit im voraus analysierend beschrieb, die im ungarischen Geistesleben erst am Ende der achtziger Jahre tatsächlich eintraten.

In glücklicheren Epochen gelang es also Újvidék mit Leichtigkeit, sich zum geistigen Spielplatz für die unterschiedlichsten Denkmentalitäten zu öffnen. Zu seinem Vorteil war es kein melting pot, sondern das Zentrum einer Gegend mit einer überschäumenden Kavalkade der Kulturen, an der sich die hier versammelten Nationen bereicherten.

Die Geschichte Újvidéks erinnert folglich auch daran, daß es die Randgebiete waren, in denen, um mit einem Wort von Derrida zu sprechen, die „Kreolisierung“ der nationalen Literaturen entstand. Der Rand gilt als Erfinder des postnationalen Gedankens, hier herrscht nicht nur der Anspruch vor, für Übersetzungen von Kunstwerken zu sorgen, sondern sie werden zum täglichen Beiwerk der Bürger, das heißt, die Menschen übertragen täglich das eine kulturelle Muster ins andere.

Der italienische Bischof Celso Constantini sagte einmal über Fiume, noch der dümmste Mensch komme dort so auf die Welt, dass er gleich vier Sprachen spreche. Es gab tatsächlich Zeiten, in denen die Angehörigen der Mittelklasse von Újvidék, wenn sie was auf sich hielten, mindestens drei Sprachen beherrschten, und die damalige Bürokratie war sich darüber im Klaren, dass selbst Kaufverträge für Pferdehändler beispielsweise mindestens dreisprachig vorliegen mussten.

Damals also lag der Kanon, das Maß der Dinge in diesem Randgebiet hoch. Ein Normsystem, dessen Etablierung im Leben des europäischen Bürgers von heute erst jetzt anfängt. Heute findet man sich immer häufiger in solchen Situationen wieder. Der Alltag des europäischen Bürgers handelt davon, dass eine Kultur in eine andere übersetzt wird, denn er wird von der sich beschleunigenden gesellschaftlichen Mobilität, von der Virtualisierung der Grenzen, von den globalen Wirtschaftsprozessen, von der Informationsgesellschaft dazu gezwungen, verleitet, angespornt. So findet man sich plötzlich im Dickicht der Identitäten wieder, die bis dahin fest scheinende Struktur der eigenen Identität lockert sich. Das, was man bisher für unumstößlich hielt, löst sich im Wirbel der täglichen Übersetzungen der Kulturen auf. In solchen Momenten begreift man, dass es bloß ein Irrglaube war, in der eigenen Identität das eigene Ich vermutet zu haben. Ein Phänomen, mit dem man meist in den Megalopolen konfrontiert wird.

In diesem Prozess erfüllte Triest die Rolle eines Seismographen. Jahrzehnte im Voraus deutete es bereits an, welche geistigen Strömungen als Nächstes in London, Berlin oder Paris auftreten würden. Es ist kein Zufall, wenn gerade Claudio Magris, einer der Wortführer der Seismographen, zu der Feststellung gelangt: „Ethnische Reinheit führt zu Rachitis oder Kropfkrankheit.“

Umso beklagenswerter ist die Tatsache, daß es Újvidék nicht gelungen ist, so vorausschauend und gemeinnützig wie Triest den partikularen mit dem kosmopolitischen Geist zu verbinden. Insofern ist nicht nur von Újvidéks Drama die Rede, die ganze Region ist von der Krankheit, die Magris diagnostiziert, bedroht. Der Nationalstaat hat die Randstädte niedergewalzt, während in den Zentren, in den westeuropäischen Großstädten genau das Gegenteil vor sich geht.

Was passiert in Europa?

Um die Jahrtausendwende brachte Umberto Eco die bevorstehende Veränderung auf den Punkt: im heutigen Europa werde der Unterschied zwischen „Wanderung“ und „Einwanderung“ allmählich verschwinden. Das neunzehnte Jahrhundert war die Zeit der „Einwanderung“, und sie zog sich auch bis hinein in das zwanzigste Jahrhundert. Gleichzeitig aber setzte der Prozess der Wanderung ein. Diese beiden Strömungen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Letztere nahm im zwanzigsten Jahrhundert ihren Anfang, und nach Ansicht von Eco wird das einundzwanzigste Jahrhundert das „Jahrhundert der Wanderung“ sein.

Was ist der Unterschied zwischen beiden?

Einwanderung ist politisch kontrollierbar, Wanderung hingegen nicht. Im Falle der ersteren kann man versuchen, die Fremden in ein Ghetto zu sperren, im Falle der Wanderung ist dies undurchführbar. Im neuen Jahrtausend, schreibt Eco, werden sich viele Kulturen in Europa Raum erobern, Europa wird so sein wie einst die römische Zivilisation. In den großen europäischen Megalopolen, den postnationalen Hauptstädten wie London, Paris und Berlin wird sich all das vor unseren Augen abspielen.

Entgegen dieser Tendenz weisen die Entwicklungen in den einstigen ethnisch bunten mittelosteuropäischen Randregionen heute umgekehrte Vorzeichen auf. Seine Teilung erfährt Europa nicht länger im Sinne des Abkommens von Jalta, die Teilung, die Bruchlinie zieht sich – zumindest gegenwärtig – entlang nationalstaatlicher Konzeptionen. Hinsichtlich der Nationalitätenvielfalt in den westeuropäischen Zentren kann man von zunehmender Heterogenität sprechen, während in den Peripherien nationale Homogenisierung betrieben wird. Die europäische Peripherie wird national eindimensional. Das ist allein schon deshalb verblüffend, weil gerade die Randgebiete über eine lange Zeit hinweg stets heterogen gewesen sind.

Auch in dieser Hinsicht ist die Geschichte Újvidéks paradigmatisch. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten in dieser Stadt vorrangig drei Nationen – neben den Serben Ungarn und Deutsche -, aber auch Juden, Kroaten und Slowaken. Noch heute sind die kulturellen Wellenschläge dieser reichen Tradition zu spüren, denken wir doch nur an die Zeit vor zwanzig, dreißig Jahren, als es den Anschein hatte, Újvidék könnte sich eine ganz neue kulturelle Aura verschaffen, deren künstlerischen Ausdruck die Prosawelt Aleksander Tismas auf hohem Niveau vertrat. Sein Werk bezeugt, wie tief die Spuren waren, die der jüdische und ungarische Narrativ am serbischen Topos hinterlassen hatte. Tismas Weg folgten zahlreiche Vertreter einer jungen Schriftstellergeneration, von Judita Salgo bis István Domonkos, um nur wenige zu nennen. Diese Jahre ließen die berechtigte Hoffnung zu, Újvidék könne zu einer Art östlichem Triest und damit zu einer eminent wichtigen europäischen Plattform werden.

Für heute ist dieses Bild zerstört. Der Kultur gelang es nicht, zu reparieren, was die Politik verheert hat. Die Art und Weise, wie Politik im 20. Jahrhundert betrieben wurde, ist hinlänglich bekannt. Das demographische Bild von einst hat sich fundamental verändert. Die Deutschen wurden 1945 vertrieben oder sie wanderten aufgrund der Repressalien aus, die Zahl der Juden ist heute geradezu bedeutungslos, die der Ungarn sank auf unter fünf Prozent, so dass ihre kulturelle Präsenz seit den neunziger Jahren nur noch symbolisch, marginal ist. Das, was in den sechziger, siebziger Jahren nicht nur für das ehemalige Jugoslawien, sondern auch für Újvidék mitsamt der ganzen Region charakteristisch war, ist Jahr für Jahr mehr und mehr verloren gegangen. Heutzutage kann man allenfalls noch von peripheren, an den Rand der Nationalstaaten gedrängten Kulturen sprechen. Das Risiko ist groß, Újvidék und seine Tradition zum bloß musealen Wert verkommen zu lassen, das bei bestimmten Anlässen als etwas längst Vergangenes, ein Freilichtmuseum, touristisch verwendet wird.

Könnte man diese apokryphe Tradition wieder zum Leben erwecken?

Diese Frage werden wahrscheinlich erst die kommenden Generationen beantworten können. Entscheidend allerdings wird sein, ob die Kultur es schafft, sich gegenüber der Politik, die in diesen Landstrichen Europas den hier Lebenden Millionen nicht viel Gutes gebracht hat, als das Beständigere, Stärkere zu erweisen. Die große Aufgabe beginnt naturgemäß mit dem Übersetzen. Konkret bedeutet das, ob wir in der Lage sein werden, die erwähnte apokryphe Tradition vor dem Vergessen zu bewahren. Wir müssen viel übersetzen, viel daran arbeiten, zu kollektiven Übersetzern zu werden, und daran, daß das Übersetzen einzelner Werke die natürliche Übersetzung der Kulturen im täglichen Leben nach sich zieht. Dass jeder einzelne Bürger der Region seine Arbeit wie ein professioneller Übersetzer erledigt.

aus dem Ungarischen von Laszlo Kornitzer

Objavljeno:
László Végel

Denke ich an Újvidék, so muß ich oft an das Triest von Magris denken.

Die Geschichte Újvidéks beginnt mit einer schönen Metamorphose. „Nominentur Neoplanta“, nennen wir es fortan Neoplanta. Diese beiden lateinischen Worte schreibt Maria Theresia am 1. Februar 1748 als Antwort auf die schriftliche Petition der Bürger von Újvidék, in der sie die Kaiserin der Österreich-Ungarischen-Monarchie ersuchen, der Siedlung „Wall von Pétervárad“, wie sie bis dahin hieß, den Titel einer freien königlichen Stadt zu verleihen. Damit einher geht auch die Erfüllung des kosmopolitischen Wunsches, wonach jede in Neoplanta ansässige Nation den Namen des Ortes aus der lateinischen Wendung in ihre eigene Sprache übertragen könne. Das geschah vor zweihundertsechzig Jahren. Die serbischen, ungarischen und deutschen Bewohner der Stadt ließen im Sinne der kaiserlichen Direktive den Stadtnamen nach Neoplanta eintragen: Novi Sad, Újvidék, Neusatz. Soviel zur Vorgeschichte.

Doch was ist nach etwas mehr als zweieinhalb Jahrhunderten aus ihr geworden?

Wie erlebt der Fremde, der sich hierher verirrt, Újvidék? Eine pittoreske Kleinstadt, so der Besucher, wenn er die älteste Straße der Stadt, die Donaustraße entlang spaziert. Pannonische Idylle, viel Exotik, entfährt es der eleganten Dame von Welt, die auf ihrer Durchreise die Eingeborenen mit einem Besuch beehrt. Veredelte Barbarei, bemerkt beiläufig der Gentleman vor seiner Abreise nach dem kurzen Aufenthalt. Dies hier könnte Mitteleuropa sein, befindet wehmütig der entwurzelte Träumer. Das ist Nordbalkan, äußert sich der mit den Realitäten vertraute grobgliedrige Mann knapp und resolut. Ein ziemlich unglücklicher Ort, mit einem Ausblick auf die vier Himmelsrichtungen Europas, doch die Sicht verliert sich im Nebel, sinniert einer, der schon längere Zeit in dieser Stadt weilt und so die Gelegenheit hat, mehrmals täglich auf dem Kopfsteinpflaster der Donaustraße hinauf und hinunterzugehen, den unsicheren Blick der Passanten zu erhaschen und für alle Zeiten aller Nostalgie überdrüssig zu werden.

Manchmal überkommt mich das Gefühl, ich würde die Donaustraße niemals verlassen, würde für immer hier bleiben, trippele auf der Stelle, notgedrungen, wie ein zurückgelassener Posten, der die Parole vergessen hat und nicht weiß, was tun. Er weiß nicht, warum er Wache schiebt, was er hüten sollte, denn es ist ihm voll bewusst, dass er einer sinnlosen Tätigkeit nachgeht. Irgendwie bleibt er aber doch – wohin sollte er auch gehen? -, dabei ist er nicht einmal vom weihevollen Lokalpatriotismus geleitet, seine aussichtlose Anhänglichkeit bestärkt ihn doch nur im Gefühl der Heimatlosigkeit. Ich stehe inmitten der Donaustraße, wie auf der hohen Warte. Eine Wache, von niemandem gebraucht. Ich lausche, warte ab. In Wirklichkeit bin ich staatenlos, zusammen mit vielen anderen wachsam in der nutzlosen, der Dinge harrenden Warterei. Ich tröste mich mit Márai: „Der Heimatlose kennt plötzlich die ganze Welt, sie ist ihm vertraut…“ So wurde ich zum Kentaur-Kosmopoliten.

Ich blättere in einem vor einiger Zeit auf Italienisch erschienen Band von mir, lauter frühere Bekenntnisse zu Újvidék, ich ringe seit langem mit ihnen.

Und ich frage mich, warum aus Újvidék, diesem Grenzort zwischen dem Balkan und Mitteleuropa, nicht Triest geworden ist?

Einst besaß Újvidék die besten Voraussetzungen, zu einem Triest zu werden, trifft doch hier die Kultur des Balkans auf die mitteleuropäische, so wie in Triest die mitteleuropäische Kultur mit der mediterranen verschmilzt. Solche Verflechtungen fördern gewiss auch Konflikte zutage, fordern aber umso mehr zu Kreativität, zu fruchtbaren Prozessen heraus. Kulturelle Größe liegt nicht in der Unterdrückung von Konflikten und Unterschieden, sondern in deren schöpferischem Überflügeln. Wie es die exzellente Triest-Monographie von Angelo Ara und Claudio Magris beschreibt, wurde Triest dank solcher Konvergenz zu einer kosmopolitischen Stadt, die in ihrer Sensibilität für kulturellen Pluralismus die italienische Kultur mit einer neuen Dimension bereichert, nämlich mit der mitteleuropäischen.

Ohne diesen Weg wäre Triest provinziell geblieben, wie es in einigen Phasen seiner Geschichte wohl auch gewesen ist, ohne besonderen Charakter und ohne besondere Bedeutung, Provinz von Rom und anderen Großstädten, ein Ort, der zweitrangige, lediglich lokalen Interessen dienende Werke hervorbringt. Triest wäre lediglich eine Grenzstadt, versunken in dörfliche Idylle, wenn es seine Möglichkeiten nicht erschlossen und seinen Vorteil, kraft seiner geographischen Lage Teil eines anderen Randgebietes zu sein, nicht genutzt hätte.

Seine Chance, an der Grenze zwischen den Gebieten verschiedener Kulturen zu liegen, was oft wichtiger ist als Staatsgrenzen, erkannte Triest zur rechten Zeit. Mit wohlüberlegter, gezielter Entschlossenheit verhalf es sich als Randregion am Schnittpunkt zweier Kulturen zur Bedeutung, indem es seine eigenständige kosmopolitische Kultur hervorbrachte, deren eigenwilliges, spezifisches Gepräge ein ganz besonderes Merkmal innerhalb der italienischen Kultur setzt. Die Region von Triest bildet jenen durchlässigen Filter, durch den – wie es Angelo Ara und Claudio Magris in ihrem Buch beispielhaft verdeutlichen – in die italienische Kultur die deutsch-jüdisch-slawische Kultur Einzug gehalten hat, und damit auch das ganze literarisch-künstlerische Stigma, die ganze Lebenswelt Mitteleuropas. Was für einzigartige Werke dadurch im europäischen Vergleich entstanden sind und immer wieder neu entstehen, beweisen zum Beispiel die Werke von Italo Svevo oder Claudio Magris.

Als mittelosteuropäischer Grenzort oder anders ausgedrückt: als europäische Limes-Stadt führt auch Újvidék eine Doppelexistenz an der Peripherie, indem es für die Randgebiete eine überdeckende Funktion besitzt. Seine Geschichte war von ethnischer Vielfarbigkeit geprägt, da es quasi von Geburt an eine ähnliche Stellung hatte wie Triest. Die Stadt liegt an wichtigen Verkehrswegen, zudem sorgt die Donau für die natürliche Verbindung des Ostens Europas mit dem Westen. Als eine Art Nord-Süd Strecke kreuzen diesen geographisch wichtigen Punkt zudem die den Balkan mit Mitteleuropa verbindenden Wirtschaftwege auf dem Festland. Insofern war es nur recht und billig, dass Újvidék im Augenblick seiner Entstehung – 1748 – neben dem damaligen in Europa üblichen Latein noch weitere drei Bezeichnungen erhielt. Namen sind symbolischer Wegweiser, sie zeigen die geistige Aufgabe des Benannten an, ein Phänomen, für das Újvidék, wo Serben, Deutsche, Ungarn, Juden, Kroaten, Slowaken, Rumänen, Ruthenen und viele andere ansässig und schöpferisch tätig waren, seinerzeit als besonders geeignet erscheinen musste.

Die Bücher über die Geschichte dieser die Zeichen des Bürgertums in sich tragenden Stadt berichten buchstabengetreu, daß die zu den Glanzzeiten der Österreich-Ungarischen Monarchie in Budapest gegründete Matica srpska, eine Art Wissenschaftsakademie Serbiens, und lange Zeit die wichtigste Institution der serbischen Kultur, erst hier ihre wesentliche Entwicklungsphase erlebte. Auch das erste Serbische Nationaltheater wurde in Újvidék zu jener Zeit gegründet. Auch darf man nicht die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im ehemaligen Jugoslawien gegründete Zeitschrift Új Symposion vergessen, die in den sechziger und siebziger Jahren mit ihren stark innovativen Impulsen für jene Veränderungen in der gesamten ungarischen Kultur plädierte und sie weit im voraus analysierend beschrieb, die im ungarischen Geistesleben erst am Ende der achtziger Jahre tatsächlich eintraten.

In glücklicheren Epochen gelang es also Újvidék mit Leichtigkeit, sich zum geistigen Spielplatz für die unterschiedlichsten Denkmentalitäten zu öffnen. Zu seinem Vorteil war es kein melting pot, sondern das Zentrum einer Gegend mit einer überschäumenden Kavalkade der Kulturen, an der sich die hier versammelten Nationen bereicherten.

Die Geschichte Újvidéks erinnert folglich auch daran, daß es die Randgebiete waren, in denen, um mit einem Wort von Derrida zu sprechen, die „Kreolisierung“ der nationalen Literaturen entstand. Der Rand gilt als Erfinder des postnationalen Gedankens, hier herrscht nicht nur der Anspruch vor, für Übersetzungen von Kunstwerken zu sorgen, sondern sie werden zum täglichen Beiwerk der Bürger, das heißt, die Menschen übertragen täglich das eine kulturelle Muster ins andere.

Der italienische Bischof Celso Constantini sagte einmal über Fiume, noch der dümmste Mensch komme dort so auf die Welt, dass er gleich vier Sprachen spreche. Es gab tatsächlich Zeiten, in denen die Angehörigen der Mittelklasse von Újvidék, wenn sie was auf sich hielten, mindestens drei Sprachen beherrschten, und die damalige Bürokratie war sich darüber im Klaren, dass selbst Kaufverträge für Pferdehändler beispielsweise mindestens dreisprachig vorliegen mussten.

Damals also lag der Kanon, das Maß der Dinge in diesem Randgebiet hoch. Ein Normsystem, dessen Etablierung im Leben des europäischen Bürgers von heute erst jetzt anfängt. Heute findet man sich immer häufiger in solchen Situationen wieder. Der Alltag des europäischen Bürgers handelt davon, dass eine Kultur in eine andere übersetzt wird, denn er wird von der sich beschleunigenden gesellschaftlichen Mobilität, von der Virtualisierung der Grenzen, von den globalen Wirtschaftsprozessen, von der Informationsgesellschaft dazu gezwungen, verleitet, angespornt. So findet man sich plötzlich im Dickicht der Identitäten wieder, die bis dahin fest scheinende Struktur der eigenen Identität lockert sich. Das, was man bisher für unumstößlich hielt, löst sich im Wirbel der täglichen Übersetzungen der Kulturen auf. In solchen Momenten begreift man, dass es bloß ein Irrglaube war, in der eigenen Identität das eigene Ich vermutet zu haben. Ein Phänomen, mit dem man meist in den Megalopolen konfrontiert wird.

In diesem Prozess erfüllte Triest die Rolle eines Seismographen. Jahrzehnte im Voraus deutete es bereits an, welche geistigen Strömungen als Nächstes in London, Berlin oder Paris auftreten würden. Es ist kein Zufall, wenn gerade Claudio Magris, einer der Wortführer der Seismographen, zu der Feststellung gelangt: „Ethnische Reinheit führt zu Rachitis oder Kropfkrankheit.“

Umso beklagenswerter ist die Tatsache, daß es Újvidék nicht gelungen ist, so vorausschauend und gemeinnützig wie Triest den partikularen mit dem kosmopolitischen Geist zu verbinden. Insofern ist nicht nur von Újvidéks Drama die Rede, die ganze Region ist von der Krankheit, die Magris diagnostiziert, bedroht. Der Nationalstaat hat die Randstädte niedergewalzt, während in den Zentren, in den westeuropäischen Großstädten genau das Gegenteil vor sich geht.

Was passiert in Europa?

Um die Jahrtausendwende brachte Umberto Eco die bevorstehende Veränderung auf den Punkt: im heutigen Europa werde der Unterschied zwischen „Wanderung“ und „Einwanderung“ allmählich verschwinden. Das neunzehnte Jahrhundert war die Zeit der „Einwanderung“, und sie zog sich auch bis hinein in das zwanzigste Jahrhundert. Gleichzeitig aber setzte der Prozess der Wanderung ein. Diese beiden Strömungen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Letztere nahm im zwanzigsten Jahrhundert ihren Anfang, und nach Ansicht von Eco wird das einundzwanzigste Jahrhundert das „Jahrhundert der Wanderung“ sein.

Was ist der Unterschied zwischen beiden?

Einwanderung ist politisch kontrollierbar, Wanderung hingegen nicht. Im Falle der ersteren kann man versuchen, die Fremden in ein Ghetto zu sperren, im Falle der Wanderung ist dies undurchführbar. Im neuen Jahrtausend, schreibt Eco, werden sich viele Kulturen in Europa Raum erobern, Europa wird so sein wie einst die römische Zivilisation. In den großen europäischen Megalopolen, den postnationalen Hauptstädten wie London, Paris und Berlin wird sich all das vor unseren Augen abspielen.

Entgegen dieser Tendenz weisen die Entwicklungen in den einstigen ethnisch bunten mittelosteuropäischen Randregionen heute umgekehrte Vorzeichen auf. Seine Teilung erfährt Europa nicht länger im Sinne des Abkommens von Jalta, die Teilung, die Bruchlinie zieht sich – zumindest gegenwärtig – entlang nationalstaatlicher Konzeptionen. Hinsichtlich der Nationalitätenvielfalt in den westeuropäischen Zentren kann man von zunehmender Heterogenität sprechen, während in den Peripherien nationale Homogenisierung betrieben wird. Die europäische Peripherie wird national eindimensional. Das ist allein schon deshalb verblüffend, weil gerade die Randgebiete über eine lange Zeit hinweg stets heterogen gewesen sind.

Auch in dieser Hinsicht ist die Geschichte Újvidéks paradigmatisch. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten in dieser Stadt vorrangig drei Nationen – neben den Serben Ungarn und Deutsche -, aber auch Juden, Kroaten und Slowaken. Noch heute sind die kulturellen Wellenschläge dieser reichen Tradition zu spüren, denken wir doch nur an die Zeit vor zwanzig, dreißig Jahren, als es den Anschein hatte, Újvidék könnte sich eine ganz neue kulturelle Aura verschaffen, deren künstlerischen Ausdruck die Prosawelt Aleksander Tismas auf hohem Niveau vertrat. Sein Werk bezeugt, wie tief die Spuren waren, die der jüdische und ungarische Narrativ am serbischen Topos hinterlassen hatte. Tismas Weg folgten zahlreiche Vertreter einer jungen Schriftstellergeneration, von Judita Salgo bis István Domonkos, um nur wenige zu nennen. Diese Jahre ließen die berechtigte Hoffnung zu, Újvidék könne zu einer Art östlichem Triest und damit zu einer eminent wichtigen europäischen Plattform werden.

Für heute ist dieses Bild zerstört. Der Kultur gelang es nicht, zu reparieren, was die Politik verheert hat. Die Art und Weise, wie Politik im 20. Jahrhundert betrieben wurde, ist hinlänglich bekannt. Das demographische Bild von einst hat sich fundamental verändert. Die Deutschen wurden 1945 vertrieben oder sie wanderten aufgrund der Repressalien aus, die Zahl der Juden ist heute geradezu bedeutungslos, die der Ungarn sank auf unter fünf Prozent, so dass ihre kulturelle Präsenz seit den neunziger Jahren nur noch symbolisch, marginal ist. Das, was in den sechziger, siebziger Jahren nicht nur für das ehemalige Jugoslawien, sondern auch für Újvidék mitsamt der ganzen Region charakteristisch war, ist Jahr für Jahr mehr und mehr verloren gegangen. Heutzutage kann man allenfalls noch von peripheren, an den Rand der Nationalstaaten gedrängten Kulturen sprechen. Das Risiko ist groß, Újvidék und seine Tradition zum bloß musealen Wert verkommen zu lassen, das bei bestimmten Anlässen als etwas längst Vergangenes, ein Freilichtmuseum, touristisch verwendet wird.

Könnte man diese apokryphe Tradition wieder zum Leben erwecken?

Diese Frage werden wahrscheinlich erst die kommenden Generationen beantworten können. Entscheidend allerdings wird sein, ob die Kultur es schafft, sich gegenüber der Politik, die in diesen Landstrichen Europas den hier Lebenden Millionen nicht viel Gutes gebracht hat, als das Beständigere, Stärkere zu erweisen. Die große Aufgabe beginnt naturgemäß mit dem Übersetzen. Konkret bedeutet das, ob wir in der Lage sein werden, die erwähnte apokryphe Tradition vor dem Vergessen zu bewahren. Wir müssen viel übersetzen, viel daran arbeiten, zu kollektiven Übersetzern zu werden, und daran, daß das Übersetzen einzelner Werke die natürliche Übersetzung der Kulturen im täglichen Leben nach sich zieht. Dass jeder einzelne Bürger der Region seine Arbeit wie ein professioneller Übersetzer erledigt.

Aus dem Ungarischen von Laszlo Kornitzer

www.halma-network.eu/bibliothek.html?essay=3
Print: Schreibheft, Köln, 2008. Num: 71Újvidékkel kapcsolatban gyakorta gondolok Magris Triesztjére.
Története egy szép metaforával kezdődik. “Nominentur
Neoplanta”, azaz neveztessék Neoplantának. Ezt a két latin szót,
jegyezte le Mária Terézia 1748 február 1-én, az újvidéki polgárok
írásos folyamodványára, amelyben arra kérik az Osztrák-Magyar-
Monarchia császárnőjét, hogy a Péterváradi Sáncok elnevezésű
település kapja meg a szabad királyi város címet. Ezzel egyetemben
megteremtődött a lehetőség a kozmopolita óhaj érvényre juttatásának
is: miszerint, minden a Neoplanta településen élő nemzet, a hivatalos
latinból keresztelje át saját nyelvére a város nevét. Történt ez 260
évvel ezelőtt. A szerb, magyar és német származású városlakók
megelégedéssel tettek eleget az utasításnak és jegyeztették be a
Neoplanta után, Novi Sad, Újvidék, Neusatz. Ennyi létrejöttének
históriája.
De, mi lett belőle több mint kettő és fél évszázad után?
Hogyan éli meg Újvidéket az erre tévedt idegen? Festői
kisváros, mondja az idelátogató, aki végig sétál a város legrégebbi
utcáján a Duna utcán, Pannon idill, egzotikum, csodálkozik el az
elegáns nagyvilági hölgy, aki átutazóban felkeresi a bennszülötteket.
Megnemesített barbárság, jegyzi meg egy ide tévedt gentleman. Ez
lehet a déli Közép-Európa, jegyzi meg félszegen egy gyökértelen
álmodozó. Az északi Balkán, horkan fel erélyesen egy, a realitásokkal
számoló, tagbaszakadt férfiú. Roppant boldogtalan kilátóhely, mely
Európa négy égtájára nyílik ugyan, de, a kilátás ködbe vész,
révedezik magában az, aki hosszabb időt töltött el ebben a városban.
Következésképp volt alkalma, naponta végigbaktatni a Duna utca
macskakövein, és fürkészve meglesni a járókelők tétova tekintetét,
miközben örök időkre megundorodott mindenfajta nosztalgiától.
Olykor úgy érzem, hogy soha sem távozom a Duna utcából,
mindörökre itt maradok, kénytelen-kelletlen toporgok egy kicsit, aztán,
mint egy visszamaradt strázsa, aki elfelejtette a jelszót, azt sem tudja,
mi tévő legyen. Mi célból strázsál, mit kellene féltenie, amikor
olyannyira egyértelmű, hogy hasztalan őrködik. Ennek ellenére
mégiscsak marad, hiszen nincs hová visszavonulnia; nem a
felszentelt lokálpatriotizmus vezérli, hisz kilátástalan ragaszkodásával
csak az otthontalanságát tudatosítja magában. Úgy állok a Duna utca
közepén, mint a vártán. Az őrszem, aki nem kell senkinek. Figyelek és
várakozok. Voltaképp hontalan vagyok, mint sokan mások, akik
hasztalan strázsálnak. Máraival vigasztalom magam: „Amikor az
ember hazátlan, egyszerre az egész világ meghitt és ismerős.” Így
lettem kentaur-kozmopolita.
Egy olasz nyelvű kötetben megjelent Újvidékről szóló régebbi
vallomásomat böngészve idézem fel ezeket a gondolatokat,
amelyekkel azóta is vívódom.
Miért nem lett Újvidékből, a Balkán és Közép-Európa határán
létesült Trieszt?
Minden adottsága megvolt, azzá válhatott volna, hiszen ezen a
helyen találkozik a balkáni kultúra a közép-európaival,
hasonlóképpen, miként Triesztben ötvöződik a közép-európai kultúra
a Mediterránival. Ezek a találkozások ugyan nem konfliktusmentesek,
azonban felettébb kreatívak és izgalmasak. A kulturális nagyság nem
a konfliktusok és a különbségek megszüntetésében rejlik, hanem
azoknak kreatív túlszárnyalásában. Amint az Angelo Ara és Claudio
Magris kitűnő Trieszt-monográfiájából kiderül, ennek a találkozásnak
köszönve Trieszt igazi, a kulturális pluralizmus iránt érzékeny
kozmopolita várossá lett, minek köszönve az egész olasz kultúra új
dimenzióval gazdagodott: a közép-európaival.
Ha nem erre az útra lép, akkor Trieszt kultúrája provinciális
maradt volna, mint ahogy a város történetének néhány szakaszában
az is volt: jellegtelen és értéktelen; Róma és a többi olasz nagyváros
provinciája, amelyben másodrendű, helyi érdekű művek születtek.
Trieszt határváros, a vidékiességbe süllyedő olasz provincia lett
volna, ha nem használja ki a kínálkozó lehetőséget és nem él azzal
az előnyével, hogy földrajzi fekvésénél fogva, egyben egy másik
peremvidék része is.
Trieszt időben felismerte saját esélyeit, mármint, hogy
különböző kulturális övezetek határán helyezkedik el, ami gyakorta
fontosabb az államhatároknál is. Ezzel a megfontolt, céltudatos
határozottsággal vívta ki a peremvidék győzelmét: két kultúra
metszéspontján sajátos kozmopolita kultúrát hozott létre, amelyben a
trieszti olasz kultúra az olaszon belül egy sajátos képződményt
jelentett. A trieszti régió képezte azt az áteresztő filtert, amelyen
keresztül – mint ahogy Angelo Ara és Claudio Magris az említett
könyvükben írják -, az olasz kultúrába beköltözött a német-zsidószláv,
tovább az egész közép-európai irodalmi és művészeti stigma
és életvilág. Hogy ez európai viszonylatban milyen egyedülálló
műveket hozott és hoz létre, azt legfrappánsabban Italo Svevo vagy
Claudio Magris művei igazolják.
A peremvidékek átfedése, a kettős peremvidék-lét jellemzi a
kelet-közép-európai peremvidéki, avagy másképpen európai limesvárost,
Újvidéket is. Múltbeli történetét az etnikai sokszínűség
határozta meg, merthogy születésénél fogva hasonló peremvidéki
rendeltetése volt, mint Triesztnek. A város fontos útvonalak mentén
terül el, a Dunának köszönve pedig Európa keleti és nyugati részét
köti össze. Ezen a földrajzi ponton halad keresztül az Észak-Dél-i
útvonal, mindenek előtt a Közép-Európát és a Balkánt összekötő
szárazföldi kereskedelmi útvonalak is. Méltányos tehát, hogy Újvidék
város létrejötte pillanatában – 1748-ban – az akkori európai latin
mellett, még háromnyelvű elnevezést kapott. A névadó jelképes
útmutató, kijelöli a megnevezett, szellemi feladatát, amelyre Újvidék
anno különösen alkalmasnak mutatkozott. Ezen a helyen teremtettek
és alkottak szerbek, németek és magyarok, továbbá zsidók, horvátok,
szlovákok, románok, ruszinok és még sokan mások.
A város históriáját bemutató kötetek, hűen tükrözik hogy az
Osztrák-Magyar Monarchia hőskorában, ebben a polgári jegyeket
magán viselő városban bontakozott ki a maga teljes valójában
Budapesten alapított Matica srpska, amely sokáig a szerb kultúra
egyik legfontosabb intézménye volt. Abban a korszakban jött létre
éppen Újvidék városában az első szerb Nemzeti Színház. De ildomos
megemlékezni a XX. század második felében, az egykori
Jugoszláviában létrehozott Új Symposion nevű folyóiratról is, amely a
hatvanas és hetvenes években, az egész magyar kultúrán belül, igen
erőteljes újító impulzusokkal bírt, hiszen megelőlegezte azokat a
változásokat, amelyek a magyar szellemi életben a nyolcvanas évek
végén bekövetkeztek.
Szerencsés korszakokban tehát Újvidék városának
könnyűszerrel sikerült a különbözőségek játékterévé formálódni.
Előnyére szolgált, hogy nem afféle melting pot volt, hanem egy olyan
térség, ahol tajtékzott a kultúrák kavalkádja, amelyből gazdagodtak a
nemzeti kultúrák.
Újvidék története következésképpen arra is emlékeztet, hogy a
peremvidékeken kezdődött el a nemzeti irodalmak Derrida szavaival
élve – „kreolizációja”. A perem volt a posztnacionális gondolat
megteremtője, amelyben nem csak egy-egy műalkotás lefordítására
volt igény, hanem a polgárok mindennapjainak tartozéka lett, vagyis
az emberek naponta tolmácsolták, fordították, az egyik kulturális
mintát a másikra.
Fiumeről jegyezte meg egy alkalommal Celso Constantini olasz
püspök, hogy ott még a „legostobább ember is úgy születik, hogy
négy nyelvet tud”. Nos, voltak időszakok, amikor az újvidéki
középosztály tagjai, akik valamicskét is adtak magukra, legalább
három nyelven beszéltek, s az akkori bürokrácia tisztában volt vele,
hogy ha valaki pl. lókupec, akkor legalább háromnyelvű adásvételiszerződésre
van szükség.
Annó, ilyen volt a peremvidéki mérce és kánon. A mai európai
polgár életében viszont csak az elmúlt évtizedekben kezdett
meghonosodni ez a normarendszer. A ma embere egyre gyakrabban
találja magát hasonló helyzetekbe. Az európai polgár mindennapjai
arról szólnak, hogy az egyik kultúrát fordítja a másikra, mert a
felgyorsuló társadalmi mobilitás, a határok virtualizálódása, a globális
gazdasági folyamatok, az információs társadalom készteti, illetve téríti
erre az útra. Ahol azután, egyszeriben az identitások rengetegében
találja magát, minek után a saját identitásának eddig szilárdnak vélt
struktúrája kezd fellazulni. Az, amit eddig megingathatatlannak hitt, a
kultúrák mindennapi fordítása közben megbomlik. Ilyenkor, döbbenten
ismeri fel azt a tévhitet, amikor identitásában saját énjét határozta
meg. Jobbára az európai megalopoliszokban érzékelhető ez a
jelenség.
Ebben a folyamatban, Trieszt a szeizmográfus szerepét töltötte
be. Évtizedekkel korábban előre jelezte, hogy milyen szellemi
áramlatok jelentkeznek majd Londonban, Berlinben, Párizsban. Nem
véletlen, hogy egyik szószólója, Claudio Magris mondta ki, hogy „az
etnikai tisztaság angolkórhoz vagy golyvához vezet”.
Sajnálatos tény azonban, hogy Újvidéknek nem sikerült oly
előnyösen ötvöznie a kozmopolita és a partikuláris szellemet, mint
Triesztnek. Ebből kifolyólag már nem csak Újvidék város drámájáról
van szó, hanem az egész térséget veszélyeztetik azok a betegségek,
amelyekről Magris tesz említést. A nemzetállam lehengerelte a
peremvárosokat, miközben a centrumokban, Nyugat-Európa
nagyvárosaiban, az ellenkezője történik.
Mi zajlik Európában?
Umberto Eco az ezredfordulón figyelmeztetett a jelenségre,
miszerint a mai Európában lassan eltűnik a különbség a „vándorlás”
és a „bevándorlás” között. A XIX. század a bevándorlás időszaka volt,
ami átívelt a XX. századba is. Ugyanakkor beindult a vándorlás
folyamata is. Ez a két tendencia sokban különbözik egymástól. Ez
utóbbi, mármint a vándorlás, a XX. században vette kezdetét, és Eco
meglátása szerint, a XXI. évszázad a „vándorlás százada” lesz.
Mi a kettő közötti különbség?
A bevándorlás politikailag ellenőrizhető, a vándorlás viszont
nem. Az előbbi esetében, megkísérelhető gettóba zárni az
idegeneket, míg az utóbbi esetében ez kivitelezhetetlen. Az új
évezredben, írja Eco, Európában sokfajú kultúra hódit magának teret,
Európa olyan lesz, mint egykoron a római civilizáció volt. A nagy
Európai megalopoliszokban, a mindinkább posztnacionális
fővárosokban, Londonban, Párizsban és Berlinben mindez a szemünk
előtt játszódik le.
Ezekkel a jelenségekkel ellenétben, az egykori tarka etnikai
összetételű közép-kelet-európai peremvidékeken, napjainkban,
ellenkező előjelű folyamatok zajlanak. Európát most már nem a jaltai
szerződés osztja meg; a megoszlás, a törés – legalább is jelenleg – a
nemzetállami koncepciók mentén jelentkezik. A nyugat-európai
centrumok, nemzetileg egyre heterogénebbek lesznek, a periféria
viszont nemzetileg homogenizálódik. Az egykoron tarka etnikai
összetételű európai peremvidék mindinkább, egynemzetűvé válik. A
folyamat azért is meglepő, mert sokáig éppen a peremvidék volt az
etnikailag heterogén.
Újvidék története ebben az esetben is paradigmatikus. A 20.
század első felében e városban három domináns nemzet élt, a
szerbek mellett a magyarok és a németek, ugyanakkor jelentős
számot képviseltek a zsidók, a horvátok és a szlovákok. E gazdag
hagyomány, kulturális hullámverései még ma is érzékelhetők,
gondoljunk csak a húsz-harminc évvel előtti időszakra, amikor úgy
tűnt, hogy újvidék egy egészen új kulturális aurára tett szert, aminek
egy magas színtű művészi kifejezését, rezüméjét Aleksandar Tisma
prózavilága képviseli, amely tanúbizonyságot nyújt arról, miként
hagyott mély nyomokat a szerb toposzon a zsidó és a magyar
narratíva. A Tismai úton járt a fiatal nemzedék számos képviselője,
Judita Salgotól Domonkos Istvánig, hogy csak néhány nevet említsek.
Ezekben az években joggal merült fel a remény, hogy a régióban
Újvidék, valamiféle keleti Trieszté válik, ami azt is jelenthette volna,
hogy eminens európai kilátóvá válik.
Mára, sajnos ez a nagyreményű kép szertefoszlott. A kultúra
nem volt képes helyre hozni azt, amit a politika elrontott. A XX.
századi politizálás megtette a magáét. A demográfiai kép alaposan
megváltozott. A németek voltaképpen még 1945-ben kiűzettek vagy
kivándoroltak, a zsidók száma jelentéktelen, a magyaroké pedig
ebben a városban öt százalék alá zuhant, ami annyit jelent, hogy a
kilencvenes évektől kezdődően kulturális jelenlétük jelképes, azaz
inkább marginálisnak nevezhető. Az, ami a hatvanas-hetvenes
években nem csak az egykori Jugoszláviában, hanem az egész
régióban Újvidéket jellemezte, évről évre mind gyorsabban
veszendőbe megy. Manapság jobbára csak periférikus, a
nemzetállami margókra kiszorított kultúrákról lehet beszélni. Eleven
az a kockázati tényező, miszerint az előbbivel együtt, egy egész
újvidéki hagyomány már csak muzeális értékként fog szerepelni, amit
időnként a külföldieknek fogunk mutogatni, mint hajdan volt múltat;
mint egy skanzent.
Vajon fel lehet-e támasztani újra ezt az apokrif hagyományt?
Minden bizonnyal ezt a kérdést már csak a következő
nemzedékek fogják eldönteni. Egy dolog, meghatározó tényező;
nevezetesen, hogy a kultúra szívósabb lesz-e a politikánál, amely
Európa eme részeiben nem sok jót hozott az itt élő sokaságnak. A
nagy feladat természetesen a fordítással kezdődik. A fordítás ez
esetben azt is jelenti majd, hogy képesek leszünk-e megmenteni a
feledéstől a már említett apokrif hagyományt. Sokat kell fordítanunk,
serényeknek kell lennünk azért, hogy mindannyian kollektív fordítók
legyünk, s hogy az egyes művek fordítása után a mindennapi életben
bekövetkezzék a kultúrák mesterkéletlen fordítása. Hogy a város, a
régió minden egyes polgára hivatásos fordítóként tegye a dolgát.
Végel László

Megjelent: www.halma-network.eu/uploads/tx_userhalma/Triest_ungarisch.pdf